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Für die Freiheit der politischen Gefangenen
Auch Jahre nach Beendigung des bewaffneten Kampfes ist die staatliche Repression gegenüber inhaftierten RAF-Mitgliedern ungebrochen

"Politische Gefangene in der BRD"
Viele Jahre lang war der Begriff "politische Gefangene in der BRD" untrennbar verknüpft mit den inhaftierten RAF-Mitgliedern. Das hatte gute Gründe: Nicht nur für den Staat, sondern auch für die Linke manifestierte sich hier am Deutlichsten der Bruch mit einem repressiven und ausbeuterischen System. Für viele Linke gewannen die Gefangenen aus der RAF allerdings eine fragwürdige StellvertreterInnenfunktion: hier saßen Menschen für Aktionsformen im Knast, mit denen viele UnterstützerInnen zwar sympathisierten, die sie selbst aber niemals auszuführen gewagt hätten.

Lebensbedrohliche Haftbedingungen
Die Stadtguerilla symbolisierte in ihrer Entschiedenheit eine Form des Widerstandes, die es für die Repressionsorgane der BRD um jeden Preis zu brechen galt. Dass die RAF-Gefangenen auch für den Staat eine exemplarische Funktion hatten, ließ sich aus den verschärften Haftbedingungen ersehen, die von der Solidaritätsbewegung völlig zu Recht als "Weiße Folter" bezeichnet wurden (als BRD-Exportschlager erreichten diese in den letzten Jahren in Gestalt der türkischen F-Typ-Gefängnisse traurige Aktualität). Seit den ersten Verhaftungen 1970 wurden die Gefangenen aus der RAF der systematischen Anwendung sensorisch deprivierender Isolationshaft ausgesetzt. Der Tote Trakt, in dem beispielsweise Ulrike Meinhof in totaler akustischer Isolation acht Monate durchhalten musste, aber doch nicht gebrochen werden konnte, wurde zum Inbegriff der Vernichtungsstrategie gegen die Gefangenen.

Widerstand der politischen Gefangenen
Doch die Geschichte der politischen Gefangenen in der BRD ist auch eine Geschichte ihres Kampfes gegen die zerstörerischen Haftbedingungen, bei dem mehrere, zum Teil kollektive Hungerstreiks eine herausragende Rolle spielten. In dieser Zeit wurde immer deutlicher, in welcher Lebensgefahr sich die inhaftierten RAF-Mitglieder befanden: Seit dem Tod von Holger Meins am 9. November 1974 gab es immer mehr tote Gefangene in den Knästen. Holger starb an der behördlich angeordneten Zwangsernährung, deren Zusammensetzung zur Beschleunigung des körperlichen Abbaus manipuliert worden war. Insgesamt waren es neun Gefangene aus der RAF oder anderen militanten Gruppen, die diese Zeit nicht überlebt haben: Außer ihm starben Katharina Hammerschmidt, Siegfried Hausner, Ulrike Meinhof, Jan Raspe, Gudrun Ensslin, Andreas Baader, Ingrid Schubert und Sigurd Debus. Dadurch erhielt die Parole "Für die Freiheit und das Leben der politischen Gefangenen" eine bittere Brisanz.

Repression gegen die Solidaritätsbewegung
Doch die staatliche Repression endete keineswegs bei den inhaftierten RAF-Mitgliedern, was viele zu spüren bekamen, die sich in irgendeiner öffentlich bemerkbaren Form für diese Freiheit und dieses Leben der politischen Gefangenen einsetzten. Da die Kämpfe der politischen Gefangenen für bessere Haftbedingungen, für die Gleichstellung mit allen anderen Gefangenen und für die Zusammenlegung in mehreren Gerichtsurteilen als "Aktionen der RAF", als "Fortsetzung der kriminellen Vereinigung in der Haft" (Generalbundesanwalt Buback) gewertet wurden, war der Kriminalisierung von Angehörigen, AnwältInnen, FreundInnen und GenossInnen Tür und Tor geöffnet. Über diese Konstruktion einer "legalen RAF" ließ die Bundesanwaltschaft in den 80er Jahren viele BesucherInnen der Gefangenen oder Menschen, die Veranstaltungen zu den Haftsituationen machten, ihre Zusammenlegung forderten etc., verhaften.

Die RAF ist Geschichte
Der Versuch, in der BRD den bewaffneten Kampf gegen den bürgerlichen Kapitalismus zu organisieren, ist vorerst Geschichte. Über dieser Erkenntnis dürfen wir aber nicht vergessen, dass das Ende der bewaffnet kämpfenden Gruppen nicht das Ende der Rache der Staatsorgane bedeutet. Immer noch sitzen Genossinnen und Genossen in bundesdeutschen Knästen: Christian Klar in Bruchsal (in Haft seit 1982), Brigitte Mohnhaupt in Aichach (in Haft seit 1982), Rolf-Clemens Wagner in Schwalmstadt (in Haft seit 1979), Eva Haule in Frankfurt a. M. (in Haft seit 1986) und Birgit Hogefeld ebenfalls in Frankfurt a. M. (in Haft seit 1993).

Der Verfolgungswille des Staates hat nicht nachgelassen
Bei aller exemplarischen Bedeutung, welche die inhaftierten GenossInnen aus der RAF für die Linke haben, muss allerdings in unserem Bewusstsein bleiben, dass in deutschen Knästen noch viele weitere politische Gefangene sitzen. Seit den 80er Jahren ist eine Vielzahl von kurdischen AktivistInnen zu langen Haftstrafen verurteilt worden, und der Berliner RZ-Prozess zeigt, dass auch Jahrzehnte nach bewaffneten Aktionen der Verfolgungswille des Staates nicht nachgelassen hat.

Solidarität ist eine Waffe!
Für eine Linke, die ihre Geschichte nicht verdrängen und an einem Grundverständnis von Solidarität festhalten will, ist es unabdingbar, die Gefangenen nicht allein zu lassen, sich ihre Situation immer wieder in Erinnerung zu rufen und für ihre Freiheit zu kämpfen.


E. ERLE für den Bundesvorstand der
Rote Hilfe e. V.
Postfach 3255
37022 Göttingen

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