Redebeiträge und Grußadressen

Redebeitrag der Soligruppe Magdeburg

Freiheit für Marco, Daniel und Carsten!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Seit fast einem Jahr sitzen unsere Freunde Marco und Daniel, und seit einem halben Jahr unser Freund Carsten in Untersuchungshaft.
Ihnen wird vorgeworfen Mitglieder bzw. Rädelsführer in einer terroristischen Vereinigung mit dem Namen "kommando freilassung aller politischen gefangenen" zu sein. Diese Vereinigung soll u. a. am 18. März des vergangenen Jahres versucht haben, Brandanschläge auf das LKA-Gebäude und ein BGS-Fahrzeug in Magdeburg zu verüben.
Dieser Vorwurf fällt unter den sog. Anti-Terror- Paragraphen 129a StGB.
Mit der späteren Festnahme Carstens im April sollte das Konstrukt einer terroristischen Vereinigung aufrechterhalten werden, zu der mindestens 3 Personen gehören müssen. Dazu wurden die Vorwürfe noch erweitert und versucht den Ursprung der terroristischen Vereinigung, die nun auch unter den Namen "Kommando globaler Widerstand" und "Revolutionäre Aktion Carlo Giulliani" agiert haben soll, in der linken Magdeburger Gruppe ´Autonomer Zusammenschlusz` (AZ) zu suchen. 5 weitere Angehörige des AZ werden ebenso als Beschuldigte geführt. Dies stellt mal wieder einen neuen Versuch dar, eine legal arbeitende linke Gruppe zu kriminalisieren und zur terroristischen Vereinigung abzustempeln.

Was steckt nun hinter §129a - dem sogen. Anti-Terror-Paragraphen?
Zunächst ist dieser Paragraph ein Ermittlungsparagraph. 129a-Verfahren der Vergangenheit zeigten, dass er vor allem zur Durchleuchtung von politischen Zusammenhängen dient und den Einsatz weitreichender staatlicher Repression ermöglicht.
Das grundlegende Ziel staatlicher Repression ist die eigene Machterhaltung, die durch Ausgrenzung, Abschreckung und Entpolitisierung erreicht werden soll. Repression zielt auf alle ab, die Gesetze übertreten und übertreten könnten.
Seit den Verhaftungen wird Magdeburgs Linke Szene weitestgehend observiert, von Telefon- und E-Mailüberwachung bis hin zu versteckten Kameras und Zivibullen. Auch dazu legitimiert Paragraph 129a.
Ziel ist es, die Linke repressiv einzuschüchtern, zu verunsichern und letztlich zu spalten.

Im August legte die BAW die Anklageschrift gegen die 3 Gefangenen vor. Darin wies sie auf ein gefundenes Auflösungsschreiben hin, welches der angeblich terroristischen Vereinigung zugeordnet wird. Das zuständige Oberlandesgericht (Naumburg) sah darin jedoch einen Strafaufhebungsgrund in Bezug auf den Anklagepunkt §129a StGB, da sich jener Erklärung nach, die vermeintliche terroristische Vereinigung schon vor dem Ermittlungsverfahren aufgelöst habe. Gegen den Beschluss des OLG, wonach die 3 Gefangenen gegen strenge Auflagen vorläufig aus der U-Haft hätten entlassen werden können, hat die BAW jedoch Einspruch erhoben. Letztendlich hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass das Verfahren vorerst nach §129a eröffnet werden soll und sich im Hauptverfahren klären soll, wie die gefundene Auflösungserklärung zu werten sei.

Am 21. Oktober fand der erste Prozesstag in Halle statt. Dieser Prozess ist erst einmal auf 11 Prozesstage angelegt. Neue Beweismittel gibt es immer noch nicht, die Anklageschrift baut somit allein auf Behauptungen auf und dem Fakt, dass es in Magdeburg Anschläge gegeben hat. Wie aber die Angeklagten daran beteiligt sind wird allein konstruiert, aber faktisch nicht belegt. Die Bundesanwaltschaft bastelt sich eher aus linksradikaler Wortwahl des Autonomen Zusammenschluszes einen Hinweis für die Keimzelle des Terrors. Dass alle 3 Beschuldigten bis vor ihren Verhaftungen im AZ aktiv waren, und alle weiteren Beschuldigten ebenfalls im AZ für ihre politischen Ziele gekämpft haben oder kämpfen, ist sicherlich kein purer Zufall. Die BAW versucht hier wieder einmal eine linke noch legale Gruppe zu kriminalisieren . Und das NOCH ist nämlich der Knackpunkt. Sollte der Prozess in eine Verurteilung nach § 129a münden, wäre das der von dem Staatsschutz langersehnte Präzedenzfall. In nächster Zeit wird sich herausstellen in welche Richtung das Verfahren gehen wird. Sollte es aber doch zu einer Verurteilung kommen, hätte dies massive Auswirkungen auf die gesamte Linke in Deutschland. Darum ist es wichtig, dass wir begreifen, dass dieses Verfahren nach 129 a die gesamte Linke und jede politische Praxis, die sich nicht integriert, betrifft. Ob es jetzt die Militanzdebatte oder legal arbeitende Gruppen sind, abgeschreckt und zerstört werden sollen alle. Durch "Illegalisierung" seitens der Herrschenden von bestimmten politischen Praktiken soll bewusst eine Spaltung und Distanzierung von politischen Zusammenhängen erreicht werden. Wenn solch eine Distanzierung nicht von selbst geschieht, wird ihr mit bestimmten Repressionsandrohungen Nachdruck verliehen. Der Staat bestimmt also die politischen Handlungsräume, doch wir sind hier heut auf der Straße um das Gegenteil zu zeigen. Zum Abschluss des Beitrags ein Zitat aus der Einsatz!:
So lange das Herz der Bestie schlägt und jeden Tag aufs Neue kapitalistische Barbarei produziert, so lange wird es auch den Kampf um Befreiung geben. Die Mittel dazu wird sich die Linke nicht von ihren Gegnern diktieren lassen.

angeklagt sind wenige - gemeint sind wir alle!!!
Wir fordern die Einstellung des Verfahrens, die sofortige Freilassung von Marco, Carsten und Daniel und die Einstellung aller anderen 129 a und b Verfahren gegen die Linke!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!


Redebeitrag: Autonomer Zusammenschlusz Magdeburg

Magdeburg, die Landeshauptstadt von Sachsen - Anhalt, ist von einer konstanten Bevölkerungsabwanderung geprägt, was auch einen massiven Wohnungsleerstand nach sich zieht. Zur Zeit sind es etwa 35.000 Wohnungen, die vor sich hin spekulieren. Circa jeder vierte Mensch ist von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Anzahl der MigrantInnen ist nicht greifbar, weil viele illegalisiert sind oder nach kurzem Aufenthalt wieder abgeschoben werden. Gerade diese Menschen und sozial Schwache werden an die sogenannten Randviertel, die aber den groszen Teil der Stadt ausmachen, gedrängt. In diesen Wohndomizilen haben rassistische Denkweisen und Gewalttaten grosze Popularität.
Die Randviertel sind in einem ghettoartigem Zustand, das Bild sind alte Plattenbauten bis zum Horizont und eine schlechte Infrastruktur. Im Gegensatz dazu wurde und wird die sogenannte Innenstadt konkurrenzfähig im Sinne der Wirtschaftstandorte gemacht. Glas, Stahl und Marmor, neben mobiler Polizeiwache und privaten Sicherheitsdiensten, eine angenehme Atmosphäre also für die Wochenendshopper, in innerer Sicherheit ein Eis zu schlecken und sich dem Konsumwahn zu ergeben...
Trotzdem gab und gibt es Menschen die sich der rassistischen Stadtpolitik nicht anpassen wollen und werden.
Schon in den 90`ern kristallisierte sich Stadtfeld als ein gegenpolartiges Stadtgebiet alternativen und selbstbestimmten Lebens heraus. So zum Beispiel mit dem selbstverwalteten Haus in der Uhlandstrasze 8, aber auch andere Häuser die oftmals nicht nur von einem politischen Hintergrund ausgehend, sondern vielmehr aus der sozialen Not heraus besetzt wurden.
Doch nicht nur die Stadt, sondern auch die Magdeburger Nazis sind gut bekannt für ihre rassistischen und faschistischen Exzesse gegenüber MigrantInnen, behinderten Menschen, Andersdenkenden- und aussehenden. Die Himmelfahrtskrawalle 1996 und die Morde an Thorsten Lamprecht und Frank Böttcher stellen nur die Spitze der Übergriffe dar.
Aus der Notwendigkeit heraus sich gegen die häufenden Angriffe von Faschos zu wehren, wurde versucht einen Antifaschistischen-Selbstschutz aufzubauen.
Eben auch aus diesem Grund wurde in Stadfeld der Versuch gestartet in Form eines kiezartigen Zusammenlebens sich zusammen gegen solche und ähnliche Angriffe zu wehren.
Und aus der absoluten Notwendigkeit heraus Politik zu machen und dem Wunsch solchen Gewaltaten auch politisch entgegenzuwirken enstand der AZ - Autonomer Zusammenschlusz. Einige Zeit später bildeten sich auch weitere Grppen, wie Venceremos Magdeburg und Red Action. Wobei Red Action sich schon kurze Zeit später wieder auflöste.
Als Gruppe thematisierten wir nicht nur den Faschismus, sondern vielfältige Themengebiete. Wir übten unter anderem Kapitalismus- und Globalisierungskritik und haben angefangen uns mit Sexismus und Rassismus auseinander zu setzen.
So stellte die Besetzungs des "Ulrike Meinhof Hauses" 2000 auch für uns eine soziale, sowie politische Basis dar.
Als Basisstruktur war die "Ulrike" ein Anlauf- und Treffpunkt für alternatives Leben und bot einen Lebensraum für bis zu 30 Menschen.
Es wurden Infoveranstaltungen, Viedeo- und Diskussionsabende und Konzerte durchgeführt. Im Laufe der Zeit endstand auch ein Infoladen.
Es wurde versucht über Diskussionen um einen Nutzungsvertrag eine rechtliche Grundlage für das Haus zu erlangen. Diese Illusions wurde uns mit mehrmaligen Ablehnungen, der Unbereitschaft zu Verhandlungen und letztlich mit der Räumung am 01. September 2002 genommen. Die Räumung stellte den ersten Repressionsschlag im Zuge des 129a-Verfahrens dar, durch welche uns eine elementare Grundlage genommen wurde.
Die Gruppenaktivitäten vom AZ und den HausbesetzerInnen rissen vorerst nicht ab . Schon kurze Zeit nach der Räumung wurde die Bakestrasze besetzt, welche aber in der gleichen Nacht noch geräumt wurde. Weiterhin fanden Straszenblockaden, sowie eine Kundgebung vor der SWM und der WOBAU, eine nächtliche Mahnwache vor dem Stadtrat und Diskussionen im Stadtrat mit dem Jugendamt und der WOBAU statt.
Doch die fehlende Basisstruktur in Form eines Hausprojektes machte sich schon bald deutlich bemerkbar. Die politische Arbeit erschwerte sich enorm und wurde durch die fehlenden Räumlichkeiten stark eingeschränkt.
Am 27.November letzten Jahres wurden uns, mit den Verhaftungen von Marco und Daniel, dann zwei unserer Freunde und AZ-Genossen genommen. Der Schmerz sitzt tief. Doch das sollte noch nicht das Ende sein, denn schließlich fehlte den Bullen ja eine dritte Person, um das Terrorismuskonstrukt aufrecht zu erhalten. So kam es am 16.April zur Festnahme von Carsten, eiens weiteren AZ-Mitglieds. Der Vorwurf, dasz die Drei Mitglieder einer terroristischen Vereinigung sein sollen, von welcher der AZ die "Keimzelle" sein soll, ist ein weiterer Versuch des Staatsapparates eine legal arbeitende Gruppe zu kriminalisieren.
Was erschwerent hinzu kommt ist, dasz die Magdeburger Szene relativ jung ist, es fehlt somit an Erfahrungen mit solchen Situationen umzugehen.
Die starke Repression auf uns alle machte unsere Arbeit immer schwieriger. Wir können sagen, dasz die Bullen durch das Verfahren, das Ziel der Abschreckung, teilweise erreicht haben. Gruppenmitglieder verlieszen die Strukturen. Zeitweise machte sich Ratlosigkeit breit, zum Einen um das Weiterführen unserer Arbeit und zum Anderen um die Art sich gegen diesen Repressionshammer öffentlich zu äuszern.
Wir kamen an einem Punkt, an dem unser politisches Wirken so gut wie tot war.
Wir waren nur noch wenige, doch eins war für uns allen klar, zu lange haben wir uns nicht zu den Vorwürfen gegenüber den Dreien und nicht zuletzt zu den Vorwürfen gegenüber dem AZ selber geäuszert.
Aus der Ohnmacht, die viel zu lange angedauert hatte entwickelte sich das Bedürfnis endlich wieder Handlungsfähig zu werden.
Der grosze Teil unserer Arbeit richtete sich natürlich an der Soliarbeit aus. Darüberhinaus soll die Neustrukturierug des AZ`s erfolgen.
Zusammen mit der Soligruppe Magdeburg/Quedlinburg arbeiteten wir die letzten Wochen an der heute stattfindenen Demo, bei der wir die Freilassung unserer AZ-Genossen Marco, Carsten und Daniel fordern! Wir glauben, dasz diese Demo zur Bündelung linksradikaler Kräfte beitragen kann.
So dasz wir perspektivisch dem Staats- und Repressionsapparat gemeinsam und entschlossener mit Widerstand entgegentreten können.
Freiheit für Marco, Daniel und Carsten und alle anderen politischen Gefangenen!!!
Für eine klassenlose und herrschaftsfreie Gesellschaft - ohne Knäste!!!
Soziale Revolution weltweit!!!

AUTONOMER ZUSAMMENSCHLUSZ MAGDEBURG


Redebeitrag von Libertad!

Ich grüße euch im Namen der Kampagne Libertad!

Wir sind hier, um gemeinsam gegen die Verhaftung und den Prozess gegen Marco, Daniel und Carsten zu demonstrieren. Wir sind solidarisch mit ihnen - und wir verteidigen mit dieser Demonstration auch die Genossinnen und Genossen in Magdeburg, die im Zuge der Ermittlungen von der Staatsschutzpolizei angegriffen wurden. Die Observationen, Vorladungen, jede Sorte von Bespitzelung und Erpressung soll sie einschüchtern, ihnen Angst machen. Wir aber wollen, dass nicht wir uns fürchten müssen.
Dazu ist es wichtig, angegriffenen Genossinnen und Genossen solidarisch beizustehen.

Das ist die erste Politik, lange vor den Parolen und Konzepten. Mit denen können wir einverstanden sein, wir müssen es aber nicht. Das Motto dieser Demonstration "Linke Politik verteidigen!" heisst für uns, den Raum und die Möglichkeiten emanzipatorischer Politik zu erweitern und nicht zu zulassen, dass wir weiter eingeengt und zurückgedrängt werden.

"Ihr seid drinnen für uns - Wir sind draußen für euch!"
Es ist schon einige Jahre her, dass diese Parole auf Demos gerufen wurde. Sie war Ausdruck einer Solidarität und
Gemeinsamkeit, eines Begriffs von gemeinsamen Kampf und gegenseitiger Verantwortung. Es sind unsere Genossinnen und Genossen im Knast und wir müssen sie - so oder so - unterstützen, und am besten herausholen. Das ist unsere Verantwortung draußen. Aber sie sind auch drinnen für uns, und auch sie haben eine Verantwortung: Der Staat versucht sie exemplarisch für uns alle zu brechen, Unterwürfigkeit und Aufgabe, eben die Distanzierung vom eigenen Kampf zu erreichen. Dem zu widerstehen, unter Schlägen, in zermürbenden Verhören, in Isolationshaft oder dem gehirnwäscheähnlichem Normalvollzug, ist der tägliche Kampf von politischen Gefangenen. Sich und den eigenen Zielen und Vorhaben treu, also bei sich und uns zu bleiben. Dafür braucht es den gemeinsamen solidarischen Kampf mit den politischen Gefangenen. Das ist keine Sache, die wir
deligieren könnten, meinentwegen an Rote Hilfe, Libertad! oder Knastgruppen.

Früher sagte man, Kommunisten sind Tote oder Gefangene auf Urlaub. Damit sollte verdeutlicht werden, wer gegen die kapitalistische Ordnung angeht, sich organisiert, gar noch zu den Waffen greift, entscheidet sich auch dafür, dass die Gefahr der Verletzung und Verhaftung dazu gehört. Das hat sich nicht geändert, und wir beklagen es nicht.Womit die Gefangenen aus der Guerilla allerdings aufräumten, ist die Vorstellung, Knast wäre eine vorübergehende Suspensierung vom Kampf, so als wäre man im Knast außerhalb. Das glaubten damals viele und auch heute hören wir immer wieder den Spruch, der "eigentliche Kampf" findet draußen statt. Das ist Quatsch. Als wäre es egal, wie man sich verhält und lebt.
Die Erkennungsdienstliche Behandlung, oft nur ein beschönigender Begriff für folterähnliche Behandlung, die Verhöre und Prozesse, und der Knast, sind jeweils ein Kampfgebiet - und es ist eben so, dass der Staat oft unsere gefangenen Genossinnen und Genossen stellvertretend für die linksradikale Bewegung ansieht und behandelt - ein Exempel statuieren will: Der Vorstoß der Staatsschutzpolizei gegen Teile der Magedeburger Linken, richtet sich gegen als Bedrohung ausgemachte neue militante Tendenzen in der Linken.

Dabei wirkt das Szenarium der politischen Justiz manchmal wie ein Remake; Begriffe und Floskeln kommen einem so bekannt vor, wie die Beschlüsse der obersten Gerichte abgeschrieben scheinen von den Erlassen von vor 20 Jahren. Das ist kein Zufall. Sie meinen es toternst, weil ihnen mal was in die Knochen gefahren ist, was sie nicht noch mal erleben wollen.

Auch wenn diese offensive Herausforderung verloren gegangen ist und die Organisationen des bewaffneten Kampfes nicht mehr existieren, ist ja nicht ausgeschlossen, dass aus neuen Kämpfen wieder eine Bewegung entsteht, die sich die Handlungsfreiheit, und auch die historische Frechheit erobert, den Herrschenden in die Suppe zu spucken.

Dass das möglich ist, diese Erfahrung gibt es bei ihnen - und bei uns. Und nicht zuletzt deswegen gibt es auch immer noch Gefangene aus diesen Kämpfen. Sie wollen sie nicht ums Verrecken freilassen, ohne dass sie endgültig zu Kreuze gekrochen sind. Nach über 20 Jahren im Gefängnis, fast ein Viertel Jahrhundert, wollen wir nicht nur an sie erinnern und ein Bewußtsein schaffen, dass sie Teil unserer Gegenwart sind. Auch wenn wir heute keinen konkreten Vorschlag machen können, aber wir müssen für ihre Freiheit kämpfen. Denn es ist nämlich auch so, dass die Auswirkungen dieses Kampfes, genauso wie seine Niederlage bis heute reichen. Es ist immer das gleiche: ein Repressionsinstrumentarium wie der Paragraf 129a, eine Zerstörungsmethode wie die Isolationshaft, oder eine Unterdrückungstechnik wie die flächendeckende elektronische Bespitzelung, können auch deshalb heute immer noch und immer wieder gegen die Linke angewandt werden, weil es sich zeigte,
dass sie für die herrschende Ordnung funktionieren. Mal mehr, mal weniger gut und durchschlagend. Aber immerhin. Auch das ist ein Grund, warum es notwendig ist, die Justiz mit dem Prozeß in Halle nicht durchkommen zu lassen.

Wir wissen, dass wir unsere gefangenen Genossinnen und Genossen, wie alle von Repressialien Betroffenen, am besten schützen, in dem wir linke Politik nicht nur verteidigen, sondern vor allem weiterentwickeln. Verbindungen herstellen zwischen unterschiedlichen Ansätzen, uns gemeinsame Projekte vornehmen, solidarisch in Initiativen anderer eingreifen, um sie aufzugreifen und zu erweitern.

Wir sehen in der gemeinsamen Vorbereitung dieser Demonstration eine gute Möglichkeit, die wir weitertragen wollen, z.B. von diesem Moment des Widerstands gegen die innerstaatliche Repression zu dem Protest gegen die ausgeweitete militärische Expansion, wie sie auf der jährlichen Nato-Sicherheitskonferenz in München im Februar nächsten Jahres diskutiert wird.

Die neuen Kriege des Bush-Blair-Komplexes haben die Grenzen zwischen innen und außen aufgehoben. Es herrscht ein internationaler Krieg, selten noch ein Klassenkrieg auch von unten, aber ein permanenter Bürgerkrieg im Weltmaßstab. Die deutsche Regierung verteidigt die Freiheit des Kapitals am Hindukusch, während die US-Militärs die gefangenen Talibans oder die sie dafür halten, auf Guantanamo/Kuba foltern. Der Prozess in Halle gegen Marco, Daniel und Carsten steht in diesem Kontext des terroristischen Projekts der imperialistischen Regierungen, den Krieg gegen jede Sorte von Feind ihrer Ordnung zum Dauerzustand zu machen.
Wir haben kein Rezept für eine subversive und radikale Intervention in diesen Zusammenhang, aber weil er existiert, müssen und wollen wir uns ihm stellen.

In diesem Sinne: Spucken wir ihnen in die Suppe. Für Kommunismus und gegen ihren Frieden.
Marco, Daniel und Carsten müssen raus. Freiheit für alle politischen Gefangenen.


Grußbotschaft der Eltern von Marco, Daniel und Carsten

Liebe TeilnehmerInnen der Solidemo "Linke Politik verteidigen - Freiheit für Marco, Daniel und Carsten!"

Wir Familienangehörige begrüßen den Prozessbeginn unserer zu Unrecht in Untersuchungshaft sitzenden Söhne Carsten, Marco und Daniel. Wir erwarten einen fairen Prozess mit der Akzeptanz, dass sich Jugendliche für linke Politik interessieren und einsetzen ohne auf Repressalien des Staates zu stoßen. Wir bedanken uns für die monatelange Unterstützung aller FreundInnen, GenossInnen und Mitgliedern der Soligruppe, die durch persönliche und briefliche Kontakte unseren Söhnen Mut und Kraft geben für die bisher andauernde Untersuchungshaft und für die vor ihnen liegenden Prozesstage.


Redebeitrag zum 18.10. und 25.10. von Thomas Meyer-Falk

Sich aus einer Gefängniszelle zu Wort zu melden ist nicht leicht; und zur Zeit sitze ich in einer solchen. Genauso wie Marco, Daniel und Carsten.

Die Festnahme und monatelange Haft hat sie völlig herausgerissen aus ihrem Freundeskreis. Sie mußten sich neu orientieren, sind der Gefängnismaschinerie ausgesetzt und wissen oft nicht, wie ihnen geschieht.

Dennoch hört ein Herz nicht plötzlich auf zu schlagen, nur weil mensch weggesperrt ist.
Vielmehr kann diese hautnahe Erfahrung von Repression und Verfolgung auch Ansporn sein - so paradox dies vielleicht klingen mag.
Die Justizvertreter und -vertreterinnen glauben, sie könnten mit solchen Verfahren Menschen einschüchtern, aber solche Demonstrationen wie heute sind Beweis dafür, daß ihre Strategie nicht funktioniert!

Daniel, Marco und Carsten sind zum einen drei junge Männer, deren individuelle Situation sich viele nicht vorstellen können. Denn was heißt es von heute auf morgen in einer 8 Quadratmeter-Zelle zu hocken, das Klo im Zelleneck, die Türe zu, Gitter vor dem Fenster? Plötzlich werden die Vögel die morgens auf dem Fenstersims landen zu einer Verbindung nach draußen, denn sie sind frei, können hierhin dorthin fliegen. Und dann knallt der Schlüssel des Wärters ins Türschloß und dieser Moment der Freiheit ist vorbei.

Insofern ist eine solche Demonstration ein wichtiges Zeichen für diese Drei, darüber hinaus aber auch für alle anderen politischen Gefangenen und sicherlich ein stückweit auch für die sozialen Gefangenen! Solidarität erweist sich gerade in Zeiten der Not als lebensnotwendig!
Wie erginge es wohl Carsten, Daniel und Marco, müßten sie völlig alleine diese schwierige Zeit durchstehen?
Aber sie wissen, daß IHR hier seid!

Ich wünsche Euch von Herzen noch eine schöne Veranstaltung!

Freiheit für Daniel, Carsten und Marco!

Thomas Meyer-Falk, z.Zt. JVA Bruchsal


Grußwort des wissenschaftlich-humanitären komitees (whk) zur Demonstration am 25.10.2003 in Magdeburg

Liebe Genossinnen, liebe Genossen, liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der heutigen Demonstration!

"Durch Wissen zur Gerechtigkeit" - so hieß ein Leitspruch des 1897 in Berlin unter Federführung des Arztes Magnus Hirschfeld gegründeten "Wissenschaftlich-humanitäres Komitees", der weltweit ersten sexualpolitisch arbeitenden Homosexuellenorganisation. Damals bezog sich der aufklärerische Impetus vor allem auf die Vermittlung von Wissen über die verschiedenen Möglichkeiten von Sexualität. Heutzutage erleben wir, daß schwule Männer, aber auch lesbische Frauen, bereit sind, für den Erwerb bestimmter Vorrechte sich und ihre Klientel dem heterosexuell geprägten Wertekanon zu unterwerfen und dabei neue Formen von Diskriminierung, vor allem soziale Kontrolle und politische Disziplinierung, billigend in Kauf zu nehmen.

"Durch Wissen zur Gerechtigkeit" bedeutet daher für uns, gerade dies nicht zu tun und solchen Tendenzen entgegenzutreten. Unser Wissen um die Wirkungsweise einander bedingender und durchdringender Unterdrückungssysteme - allen voran Patriarchat und Kapitalismus - soll in konkrete politische Arbeit münden, die auf Emanzipation und damit Humanität in umfassendem Sinne setzt und sich vor allem dem Solidaritätsgedanken verpflichtet fühlt.

So haben wir uns am 27. Oktober 1998 entschlossen, das whk wiederzugründen - nicht als Organisation respektabler Herren, nicht als honorige Wissenschaftler, nicht "von oben", sondern als Basis­Initiative selbstbewußter "schwuler Säue" mit politischer Erfahrung, einem klar umrissenen Programm und mit dem Ziel einer Assoziation sexualemanzipatorischer Gruppen.

Als Mitglieder der verschiedenen in der gesamten Bundesrepublik tätigen Gruppen des whk fühlen wir uns mit Eurer heute stattfindenden Demonstration verbunden, auch wenn wir heute wegen unseres zeitgleich in Berlin stattfindenen whk-Bundestreffens nicht mit euch demonstrieren können.

Auch wir nehmen die zunehmende staatliche Repression gegen linke Strukturen wahr und wollen den Angriff der bundesdeutschen Repressionsapperate gegen Euch deutlich zurückweisen.

Es ist in der Geschichte dieser Republik schließlich nicht das erste Mal,daß Menschen, die sich für gesellschaftliche Alternativen und ein Leben in Frieden fernab von Kapitalismus und imperialistischen Angriffskriegen einsetzen, mit polizeistaatlichen Methoden bekämpft und ausgeschaltet werden
sollen.

Anstatt mit konstruierten Vorwürfen gegen die politische Linke Magdeburgs vorzugehen, sollten die staatlichen Stellen lieber etwas gegen die fest verankerte neofaschistische Szene der Stadt und Region und ihren Terror unternehmen. Das dies jedoch nicht passiert, verwundert uns nicht!

Wir wollen uns daher gemeinsam mit allen politisch fortschrittlichen Gruppen dem Durchmarsch der neoliberalen Vermarktungslogik in den Weg stellen, die schon genug Tote gefordert hat: Seien es die von rassistischen Sondergesetzen schikanierten Flüchtlinge, die sozial Benachteiligten und Ausgegrenzten oder andere von dieser Gesellschaft und ihren Verfechtern Ausgestoßene.

Ebenso fordern wir die sofortige Freilassung der drei Gefangenen und eine umgehende Einstellung der Ermittlungsverfahren.

Wir wünschen Euch eine erfolgreiche und kraftvolle Demonstration, die den Herrschenden und ihren willigen Vollstreckern klar und deutlich die Zähne zeigt und eine Welle der Solidarität auch über die hohen Knastmauern zu Marco, Daniel und Carsten schwappen lässt.

Mit solidarischen Grüßen,
wissenschaftlich-humanitäres komitee (whk) - Bundesweite Assoziation


Grussbotschaft von Marco Camenisch, Schweiz

GRUSSBOTSCHAFT zur Magdeburger Solidemo vom 25.10.2003

Der repressive Angriff auf die drei Genossen Carsten, Daniel und Marco und die Magdeburger Linke ist auch ein Teil der europaweit laufenden Repressionskampagne gegen die aktive Solidarität mit Gefangenen aus dem Widerstand und diese Kampagne trifft alle radikalen Zusammenhänge: Autono­me. Kommunistinnen, linke Unabhängigkeitsbewegungen, Anarchistinnen, Antifa usw. und betrifft somit auch deswegen die gesamte radikale Linke Europas.
Die in der Geschichte und Gegenwart der BRD stattfindende Verfolgung und Kriminalisierung des linken revolutionären Widerstandes durch den Gesinnungsparagraphen 129 und 12<br>9a und durch die damit verbundenen Polizei- und Justizkonstrukte findet mit entsprechenden Paragraphen, wie z. B; der §270 in Italien, in ganz Europa länderübergreifend statt.
Neuerdings dienen auch in der Schweiz die Art. 65 und 67-71 der Bundesstrafprozessordnung wie­der als Grundlage für die Auslieferung von Genossinnen an die faschistischen Regimes Berlusconi und Aznar und als Grundlage zur Erfüllung von Rechtshilfegesuchen im Zuge internationaler Angriffe auf linke revolutionäre Zusammenhänge, Organisationen und Personen, die sich u. a. aktiv und solidarisch zu Gefan­genen aus dem Widerstand und gegen den Knast verhalten.
Durch die Verschärfung der internationalen Repression nach dem „11. September“ (2001) natürlich zur Bekämpfung der wachsenden radikalen Opposition sind die politischen Gefangenen in ganz Europa auch aus der Strassenmilitanz gegen Globalisierung- Sozialabbau, Arbeitslosigkeit. Faschismus. Patriarchat, Rassismus, Umweltzerstörung, Ausbeutung und den imperialistischen Krieg rasant gewachsen.
In Italien sind in jüngster Zeit Hunderte von Genossinnen aus den verschiedenen radikalen Zusam­menhängen des Widerstandes eingeknastet worden, unzählige weitere Genossinnen werden mit Ermitt­lungsverfahren (Vereinigungsartikel) und den dazu gehörigen schweren Eingriffen auf allen existentiellen, sozialen, politischen und finanziellen Ebenen überzogen.
Diese Politik nimmt zur Abschreckung und als Vergeltung für radikalen Widerstand und Angriff ge­gen Strukturen und Projekte dieser auf Vergiftung. Tod und Ausbeutung aufgebauten Zivilisation, immer wieder als Geiseln die Gefangenen aus dem Widerstand aufs Korn.
Vor allem aber wird die Kriminalisierung und Verfolgung der mit diesen Gefangenen aktiv solidari­schen Familienmitgliedern, Freundinnen und Genossinnen aktuell auf europäischer Ebene massiv ver­schärft vorangetrieben. Im Sinne des althergebrachten kolonialistischen und imperialistischen totalen Krieges wird die feige und mörderische Politik der verbrannten Erde militärisch und juristisch auch zur methodischen Schwä­chung, Teilung und Zerschlagung der linken radikalen inneren Opposition angewendet. In der Zersplitte­rung werden die einzelnen revolutionären Kräfte durch diese; Politik dermassen geschwächt, dass die Entwicklung der zum Schütze und zur Befreiung ihrer Gefangenen notwendige Mobilisierung, die Entwick­lung ihrer politischen und gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit oder gar ihr Überleben in Frage gestellt oder unmöglich werden.
Als allgemeine revolutionäre Bewegung, und nur als solche gemeinsam, können Wir aber die Ziele dieser Politik neutralisieren und umkehren, wenn die unterschiedlichen revolutionären Zusammenhänge und Tendenzen internationalistisch, horizontal und solidarisch die gemeinsame Situation analysieren, ge­meinsam dagegen mobilisieren und die schon bestehenden wichtigen Ansätze der gemeinsamen Soli­darität mit den Gefangenen und des gemeinsamen Kampfes gegen die verschärfte Repression der akti­ven und militanten Solidarität mit den Gefangenen weiterentwickeln und verstärken.
Diese Demo begrüsse ich freudig als ein wichtiges Moment dieser Entwicklung, als Neubeginn ei­ner breiteren
Solidaritätsbewegung mit den Gefangenen aus dem Widerstand der BRD, und sowieso mit internationalistischer;
grünanarchistischer und revolutionärer Solidarität!

Freiheit für Marco, Daniel und Carsten, für Thomas Meyer-Falk, für die Gefangenen aus der Raf!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!
Freiheit für alle Gefangenen und nieder mit den Knasten!

Marco Camenisch, Gefangener Italiens und der Schweiz, Gefängnis Pfäffikon/ZH, Schweiz


Grussbotschaft des Revolutionären Aufbau Schweiz

GRUSSBOTSCHAFT MIT DER MAGDEBURGER-DEMO vom 25.10.03

Ihr geht heute in Marburg in Solidarität mit den politischen Gefangenen Daniel, Marco und Carsten und gegen die Angriffe des Staatsschutzes und ihren Artikeln 129a und b auf die Strasse. Wir schicken Euch diese kurzen
Zeilen der Solidarität aus Zürich, da wir leider nicht mit Euch sein können, es aber sehr gerne wären.

Angesichts der sich verschärfenden generellen Krise des Kapitalismus erstaunt es nicht, dass Repression, resp. Aufstandsbekämpfung zu einem neuen politischen Faktor geworden ist. So schlägt zum Beispiel die italienische Konterrevolution mit ihren Antiterrorismusartikeln gegen hunderte von anarchistischen, kommunistischen und antiimperialistischen Kräfte seit Monaten zu. Gerade erst gestern waren 1000 Bullen unterwegs und wollen 7 Genossinnen und Genossen der Brigate Rosse verhaftet haben.

Auch die Schweizer Staatsschützer haben im Juni dieses Jahres international kräftig mitgemischt und zeitgleich mit Paris, Mailand und Napoli in Zürich gegen GenossInnen des Revolutionären Aufbaus Hausdurchsuchungen
durchgeführt. Vor einem Monat wurde diese schweizerisch-italienische Zusammenarbeit gleich wieder aktiv. Der politische Gefangene Marco Camenisch erhielt im Hochsicherheitsknast von Pfäffikon Besuch von Bundesbullen, die seine Zelle durchsuchten und selbst Anwaltspost beschlagnahmten. Offizielle Begründung: Marco sei der Rädelsführer der letzten Jahres international sehr erfolgreich durchgeführten Solikampagne. Von der Zelle aus soll er sie organisiert und die militanten Anschläge in Auftrag gegeben haben. Unsere Antwort: 2. November, internationaler Aktionstag gegen die grenzüberschreitenden Angriffe der Konterrevolution und in Solidarität mit den revolutionären Gefangenen.

Gerade in Zeiten, wo die herrschende Klasse mit ihren Staatsschutz-, Geheimdienst- und Repressionsapparaten immer aggressiver und vor allem grenzüberschreitender interveniert, ist die Organisierung internationaler, revolutionärer Solidarität von vitaler Bedeutung.

Wir wünschen Euch eine kraftvolle und entschlossene Demo!
Solidarität mit Marco, Daniel und Carsten und die Gefangenen der RAF
Solidarität mit Marco Camenisch
Solidarität mit den politischen Gefangenen
Solidarität mit den im Zusammenhang mit der Razzia vom 24.10 gegen die
Brigate Rosse Verhafteten

Zürich, den 24.10.03
Rote Hilfe/Revolutionärer Aufbau Schweiz
Mitglied der Roten Hilfe International


Redebeiträge von Carsten, Daniel und Marco zur Demo finden sich unter
Beiträge und Texte der drei Magdeburger Gefangenen...