Bürgerliche Medien zur Demo

mdr, 25.10.2003

Protest
Linke Demonstration in Magdeburg blieb friedlich

Rund 2000 Anhänger der linken Szene haben in Magdeburg für die Freilassung von drei Gefangenen demonstriert. Nach Angaben der Polizei verlief ihr Protestzug durch die Innenstadt ohne größere Zwischenfälle. Nach Kontrollen seien lediglich drei Personen in Gewahrsam genommen worden. Die im Vorfeld erwarteten Krawalle blieben aus. Die Polizei hatte die Demonstration mit mehreren Hundertschaften aus drei Bundesländern begleitet.

Angeklagte sollen Brandanschläge verübt haben
Die Demonstranten setzten sich für drei Gesinnungsgenossen ein, die in Halle vor Gericht stehen. Die Bundesanwaltschaft wirft den drei Männern im Alter zwischen 22 und 24 Jahren Mitgliedschaft in einer militanten Vereinigung vor. Die Gruppe soll zwischen August 2001 und Frühjahr 2002 mehrere Brandanschläge verübt haben. Betroffen waren das Landeskriminalamt sowie ein Autohaus. Dort gingen zwei Luxusautos im Wert von über 100.000 Euro in Flammen auf. Im Februar 2002 soll die Gruppe für den Brand zweier Telekom-Dienstwagen verantwortlich gewesen sein.

Filmbeitrag:
http://www.mdr.de/Media/stream/1010557-WinMedVideo-Medium.asx


Naumburger Tageblatt/Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2003

Linke Demo blieb ganz friedlich
Protest gegen Inhaftierung - Prozess in Halle

Magdeburg/MZ/stk. Geparkte Autos solle man besser wegfahren, hatte die Polizei zuvor geraten, und unnötige Abstecher in die Innenstadt vermeiden. Doch als der Demonstrationszug aus 2000 Anhängern von linken Gruppen aus ganz Deutschland sich am späten Samstagnachmittag vom Magdeburger Bahnhof aus in Bewegung setzte, um gegen die Inhaftierung von drei Magdeburgern zu protestieren, denen derzeit der Prozess wegen Mitgliedschaft in einer Terror-Vereinigung gemacht wird (MZ berichtete), blieb doch alles ganz friedlich.
Die Polizei, verstärkt durch Hundertschaften aus Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen, hatte allerdings zuvor auch nichts dem Zufall überlassen. 1418 Leibesvisitationen meldete das Innenministerium am Tag danach, fünf Personen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, darunter ein Mann, der mit Haftbefehl gesucht wurde. Bereits auf den Autobahnen hatten Beamte auffällige Busse und Pkw heraus gewunken, schon im Bahnhof wurden Demo-Touristen per Platzverweis wieder nach Hause geschickt. "Dabei", empörte sich ein aus Dresden angereistes junges Mädchen, "hatten wir überhaupt noch nichts gemacht."

Dabei blieb es bis in die späten Abendstunden. Auf langen Transparenten und Spruchbändern forderten die fast durchweg schwarz gekleideten Demo-Teilnehmerinnen zwar radikal "Freiheit für alle politischen Gefangenen" und riefen "Wer das Geld hat, hat die Macht, bis es unterm Auto kracht". Die vor allem wegen der angekündigten Beteiligung von rechten Kameradschaften, die sich mit der Forderung nach Freilassung aller Inhaftierten hatten solidarisieren wollen, befürchteten Ausschreitungen aber fanden nicht statt.


Magdeburger Generalanzeiger, 27.10.2003

Linke demonstrierten für Freilassung von Sympathisanten
Etwa 1000 Teilnehmer gestern bei Protestmarsch durch Magdeburg

Etwa 1000 Anhänger der linken Szene protestierten in Magdeburg für die Freilassung von drei mutmaßlichen Linksterroristen.

Magdeburg (ddp/roh). Etwa 1000 Anhänger der linken Szene haben am Samstag, 25. Oktober in Magdeburg demonstriert. Unter dem Motto „Linke Politik verteidigen – Freiheit für Marco, Daniel und Carsten“ wollten sie sich damit für ihre drei in Untersuchungshaft sitzenden Gesinnungsgenossen einsetzen, die sich vor dem Oberlandesgericht Sachsen-Anhalts verantworten müssen. Die Bundesanwaltschaft wirft den jungen Männern aus Magdeburg die Gründung einer gemeingefährlichen linksextremistischen Vereinigung vor. Außerdem sollen sie mehrere Brandanschläge auf das Landeskriminalamt in Magdeburg, den Bundesgrenzschutz sowie die Deutsche Telekom und auf ein Magdeburger Autohaus verübt haben.
Die Polizei sicherte mit einem Großaufgebot den Demonstrationsweg ab. Nach Kontrollen in der Innenstadt seien mehrere Personen in Gewahrsam genommen worden. Im Vorfeld waren die Anwohner entlang der Route aufgefordert worden, ihre Autos aus Sicherheitsgründen an anderen Orten zu parken. Bis zum Nachmittag blieb es laut Polizei ruhig. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Linksterroristen wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Ein Urteil wird nicht vor Ende November erwartet.


Frankfurter Rundschau, 27.10.2003
IN KÜRZE

Linke demonstrieren für Freilassung · Rund 2000 Anhänger der linken Szene haben am Samstag in Magdeburg für die Freilassung von drei mutmaßlichen Linksterroristen demonstriert. Die Magdeburger stehen in Halle wegen mehrerer Brandanschläge, unter anderem auf das Gebäude des Landeskriminalamtes, vor Gericht. Fünf Demonstranten wurden vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen. dpa


taz, 27.10.2003, Seite 7
in kürze

MAGDEBURG
2.000 auf linker Demo
2.000 Anhänger der linksautonomen Szene demonstrierten am Samstag anlässlich eines Prozesses gegen drei mutmaßliche Linksterroristen in Magdeburg. Unter dem Motto "Linke Politik verteidigen - Freiheit für Marco, Daniel und Carsten" protestierten sie gegen die Festnahme von drei Magdeburgern, die vor dem OLG stehen. (ap)


AP-Meldung, Samstag 25. Oktober 2003, 21:05 Uhr
Linke Demonstranten zogen durch Magdeburg

Magdeburg (AP) Rund 2.000 Anhänger der linksautonomen Szene haben am Samstag anlässlich eines Prozesses gegen drei mutmaßliche Linksterroristen in Magdeburg demonstriert. Unter dem Motto «Linke Politik verteidigen - Freiheit für Marco, Daniel und Carsten» protestierten sie gegen die Festnahme von drei Magdeburgern, die seit Wochenbeginn vor dem Oberlandesgericht stehen.

Die Polizei begleitete den Demonstrationszug mit mehreren Hundertschaften, wie ein Sprecher mitteilte. Nach Kontrollen in der Innenstadt seien drei Personen in Gewahrsam genommen worden. Die Veranstaltung sei ansonsten ohne Zwischenfälle und friedlich verlaufen.

In dem Prozess wirft die Bundesstaatsanwaltschaft den 22 bis 24 Jahre alten Männern vor, Mitglied einer linksterroristischen Vereinigung zu sein und mehrere Brandanschläge, etwa gegen das Gebäude des Landeskriminalamtes, verübt zu haben. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Ein Urteil wird nicht vor Ende November erwartet.


e110 -Crime Aktuell, 26.10.2003
Demonstration der linken Szene in Magdeburg weitgehend friedlich

Magdeburg (ddp-lsa). Eine Demonstration von Anhängern der linken Szene durch die Innenstadt von Magdeburg ist am Abend ohne größere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Nach Polizeiangaben wurden drei Personen im Alter von 14, 15 und 17 Jahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und wegen einer Körperverletzung in Gewahrsam genommen.

An der Demonstration, die mit einer Kundgebung am Hauptbahnhof endete, hatten nach Angaben der Polizei etwa 2000 Menschen teilgenommen. Mehrere Einsatzhundertschaften aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen begleiteten den Protestzug.

Die Demonstranten wollten sich für drei in Untersuchungshaft sitzende Gesinnungsgenossen einsetzen, die sich seit Dienstag vor dem Oberlandesgericht Sachsen-Anhalts verantworten müssen. Die Bundesanwaltschaft wirft den jungen Männern aus Magdeburg die Gründung einer gemeingefährlichen linksextremistischen Vereinigung vor. Außerdem sollen sie mehrere Brandanschläge auf das Landeskriminalamt in Magdeburg, den Bundesgrenzschutz sowie die Deutsche Telekom und auf ein Magdeburger Autohaus verübt haben.

26.10.2003 Ster


Mitteldeutsche Zeitung, 20.10.2003

Terrorismus-Verdacht
Nach Anschlägen beginnt der Prozess
Zum Auftakt Demonstrationen in Halle erwartet

Halle/MZ. Ein netter junger Mann sei Daniel immer gewesen, sagen sie in Quedlinburg. Der Sohn einer Angestellten hatte nicht nur Ideale, sondern auch den Willen, für sie zu kämpfen. Daniel W. wurde früh Mitglied der Jusos und galt dort bald als "Machertyp", der entschlossen war, auf eine bessere Welt nicht nur zu warten.
Ab Dienstag aber sitzt der 22-Jährige zusammen mit seinen Freunden Carsten Sch. (23) und Marco H. (24) auf der Anklagebank im Justizzentrum Halle. Die drei Männer sollen, so Generalbundesanwalt Kay Nehm, als Mitglieder einer terroristischen Vereinigung mehrere Brandanschläge verübt haben, so auf das Gebäude des Landeskriminalamtes in Magdeburg und ein Auto des Bundesgrenzschutzes.

Doch schon die Tatsache, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen gegen das "kommando freilassung aller politischen gefangenen" an sich gezogen hat, zeigt, dass es um mehr als Sachschaden geht. Die Angeklagten hätten versucht, glauben die Behörden, "im Zusammenwirken mit anderen militanten Gruppierungen einen gewaltsamen Umsturz herbeizuführen". Eine Art Elbe-RAF, die Attentate im Namen einer gerechteren Welt verübt. Wie seine beiden Mitangeklagten äußert sich auch Daniel W. bislang nicht zu den Vorwürfen. Seine Briefe aus der Haft allerdings zeichnen das Bild eines Idealisten, der staatliches Vorgehen gegen besetzte Häuser als Teil eines Generalplanes zur Unterdrückung linker Ideen begreift. Seine Verhaftung im November 2002 im Hause seiner Mutter in Quedlinburg gilt ihm so nur "als Spitze des Eisberges staatlicher Repressalien gegen linke Nestbeschmutzer". Daniel W. schließt kämpferisch: "Sie können uns zwar einfangen, aber sie können uns nicht brechen!".

Eine Haltung, die den drei Inhaftierten in der Szene Märtyrerstatus beschert, obwohl sich das "Kommando" bereits vor ihrer Verhaftung für aufgelöst erklärt hatte. Am Wochenende zogen mehrere hundert Sympathisanten durch Berlin, um für die Freilassung zu demonstrieren. Heute morgen vor Prozessbeginn soll eine weitere Demonstration direkt vor dem Gericht "Solidarität mit Marco, Daniel und Carsten" zeigen. Für den Samstag haben Mitglieder der militanten linken Szene eine Großdemo in Magdeburg angemeldet.


Volksstimme Magdeburg, 21.10.2003

Polizei bereitet sich auf Großeinsatz vor
"Linke" rufen bundesweit zur Demonstration in der Stadt auf


Magdeburg - Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz am kommenden Sonnabend vor. Vermutlich werden dazu mehr Beamte auf der Straße sein, als zur bundesdeutschen Einheitsfeier am 3. Oktober. Grund: Die linke Szene ruft zur Großdemonstration gegen die Festnahme drei ihrer Mitglieder auf. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Heute ist Prozessauftakt vor dem Oberlandesgericht.

Die Polizei bereitet sich in dieser Woche auf einen Großeinsatz am Sonnabend vor. Ein unter dem Namen "Rote Hilfe Magdeburg" agierender Zusammenschluss ruft via Internet zu einer bundesweiten Demonstration der linken Szene zum Thema "Linke Politik verteidigen! Freiheit für Marco, Daniel und Carsten sowie alle anderen poltischen Gefangenen" auf. Hintergrund ist der heutige Prozessauftakt vor dem Justizzentrum in Halle.

Den drei Mitgliedern der linksradikalen Szene wird vom Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Die Tatverdächtigen sollen im vergangenen Jahr unter anderem in Magdeburg Brandanschläge auf zwei Telekom-Fahrzeuge, auf ein LKA-Gebäude und einen BGS-Bus auf dem Gelände des Hauptbahnhofes verübt haben.

Aus diesem Anlass gab es bereits am Wochenende eine Demonstration in Berlin. Auch hier war im Zuge der Ermittlungen eine Wohnung durchsucht worden. Allerdings kamen zu dieser Demonstration nur 30 Personen. Zum heutigen Tag, zum Prozess-Auftakt, rief die Rote Hilfe ebenfalls zu einer Demonstration vor dem Justizgebäude in Halle auf. Da zu der geplanten Großdemonstration auch via Internet bundesweit aufgerufen wurde, bereitet sich die Polizei entsprechend gut vor.

Aus Polizeikreisen hieß es, dass der Einsatz personell stärker besetzt ist, als am 3. Oktober zum Tag der Einheit.

Die Anmelderin der Demonstration am Sonnabend, eine als Privatperson auftretende Frau, rechnet nach eigenen Angaben mit rund 500 Personen. "Da die Szene in Magdeburg gar nicht so groß ist, müssen wir mit der Anreise von Auswärtigen rechnen", so Polizeisprecher Frank Küssner. Beamte des Staatsschutzes gehen sogar davon aus, dass unter den Demonstranten auch gewaltbereite Jugendliche sich mischen könnten.

Deshalb gelte bei der Polizei am Sonnabend höchste Alarmbereitschaft. Gestern Nachmittag gab es ein Gespräch mit der "Anmelderin", bei dem sie sich und die Polizei auf die Demonstrationsroute geeinigt haben.

Neben der Roten Hilfe Magdeburg ruft auch eine Gruppierung namens "Direct Action - Tage Magdeburg" zu sieben Demonstrationen am Sonnabend via Internet auf. Diese wurden bisher aber nicht bei der Polizei angemeldet. Vermutlich sollen diese "Ankündigungen" in die Irre führen. So heißt es unter anderem: "Nachdem die Polizei die Paragraf-129a-Demo an diesem Tag aufgelöst haben wird, gibt es eine Demo dagegegen." Am Abend werde es eine "Kundgebung vor dem Polizeiknast gegen die Verhaftungen geben, die im Laufe der Anti-Paragraf-129a-Demo vorgenommen sein werden." Durch diese Formulierungen könne man darauf schließen, dass von vornherein von Gewalttätigkeiten bzw. Verstößen gegen das Versammlungsrecht ausgegangen wird, so Polizeibeamte.

Von Matthias Fricke (LRMD)


siehe auch:

Angehörigen-Info Nr. 279 vom 24.11.2003, Seite 4f.
barricada, November 2003, Seite 6
EinSatz Nr. 53, Oktober 2003, Seite 1