Die Niederlage
der RAF ist eine Niederlage der Linken
Notiz:
SPIEGEL-Interview mit Steinmetz 14.2.94
Dieses Interview hat schon im Oktober
1993 stattgefunden. Nur ein paar Wochen nachdem der SPIEGEL
seinen Polizeizeugen selbst, im Tausch gegen die Geschichte
von Klaus Steinmetz, öffentlich demontiert hatte.
Der Spitzel schreibt seine Legende weiter. Adressat ist
eine linksliberale Öffentlichkeit, die sowieso jede
Schote aus dem Geheimdienstmilieu glaubt, solange sie
nur abstrus genug ist. Das Drehbuch des "Vermittlers"
politisiert den Verrat und entpolitisiert die Verratenen:
daß die Geheimdienste eine Macke haben und die RAF
überschätzen, wußte man ja schon immer,
und daß die radikale Linke nur ein Haufen hirnverbrannter
Idealisten mit ausgeprägter Sicherheitsparanoia ist,
das gehört schon längst zur politischen Vita
der "Spiegel"-Klientel. Da kommt ein "Realist",
wie Klaus Steinmetz, gerade recht. Gäbe es mehr wie
ihn, würden Konflikte um einiges zivilisierter verlaufen
und die RAF wär endgültig Geschichte. Unbesehen
glaubt man, daß so einer dann auch noch übers
Ohr gehauen wurde. Man wußte es ja schon immer:
Schnüffelei ist halt ein schmutziges Geschäft
und wer dem Geheimdienst vertraut, ist selber Schuld.
Aber es gibt
noch eine andere Seite. Die wird durch Franz Leyendecker,
dem "Spiegel"-Spezialisten für Aussteiger-
und Verrätergeschichten - er plazierte schon damals
die Boock'schen Geschichten - gekonnt in Szene gesetzt:
Hinter dem ungläubigen Fragen nach der Steinmetz'schen
Räuberpistole, verbirgt sich die knallharte Drohung,
wenn es eng werden sollte und andere, seine vermeintliche
Integrität ankratzen, werden doch noch einige Genossinnen
und Genossen ans Messer geliefert. Dafür sorgt dann
ein Bundesrichter, dem Klaus Steinmetz - "gezwungen
zum Überleben" - seine Berichte in die Feder
diktierte.
Daran ist allerdings
nur wahr, daß nach Ende einer Dienstzeit sowieso
jeder Spitzel, völlig unabhängig bisher abgelieferter
Berichte, nochmal reinen Tisch machen muß. Genossinnen
und Genossen allerdings, die diese Geschichte glauben
- und angesichts der Katastrophe nach Bad Kleinen ist
das nun wirklich nicht völlig auszuschließen
- sollen mal nachrechnen: Wenn seine Angaben stimmen,
dann hat er sich gut 200 mal mit seinem Führungsoffizier
getroffen.
Darüber
erübrigt sich wohl jede Diskussion. Es sei denn,
man geht insgeheim doch auf den Handel ein, den der Verfassungsschutz
mit diesem Interview zum wiederholten Male versucht einzufädeln:
Wir lassen euch euer Entsetzen und die Fassungslosigkeit
und dadrin die Legende des verräterischen Freundes,
der vielleicht doch nicht alles gesagt hat, ihr aber laßt
uns, im Gegenzug, die Geschichte des treuherzigen Vermittlers,
den wir selbst gelinkt haben. Dadrin bleibt der politische
Prozeß und seine mögliche Neuinterpretation,
aufgrund des Verrates genauso außen vor, wie die
Involvierung des Verfassungsschutzes in mögliche
Initiativen, jenseits einer politischen Weiterbildungsmaßnahme
für Staatsschützer durch Klaus Steinmetz. Mit
dem Vorwurf des Verrats eigener Leute, kann der Verfassungsschutz
leben. Es ist sein Geschäft.